Der Wald der Zukunft: Die Mischung macht es
Wer in diesen Tagen durch die heimischen Wälder spaziert, sieht breit gerodete Flächen, absterbende Bäume und kaum begehbare Waldwege. Die Auswirkungen der Trockenheit und des Borkenkäferbefalls haben deutliche Spuren und massive Schäden hinterlassen. Bürgermeisterin Nicole Reschke ist in engem Austausch mit Vertretern des Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW, um für die städtischen Flächen Ziele zu formulieren, wie der Wald der Zukunft aussehen kann.
Die Stadt Freudenberg besitzt rund 240 Hektar Waldflächen. 60 Prozent sind Laubbäume, 40 Prozent Nadelhölzer. Die Fichte machte ca. 26 Prozent aus. „Wir könnten einerseits zwar noch froh sein, so eine gute Baumartenmischung zu haben, doch auch der jüngst vorgestellte Waldzustandsbericht gibt einem zusätzlich zu denken“, sagt Reschke und fügt an: „Da die Fichtenflächen zu 100 Prozent absterben, sind wir gefordert und müssen bei der Wiederbewaldung darauf achten, nachhaltig zu handeln.“ „Die Mischung macht es“, erklärt Jan Zimmermanns vom Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein und verweist auf das Wiederbewaldungskonzept NRW.
Aktuell sind bereits 50 Prozent der abgestorbenen Fichten insbesondere entlang von Straßen und Wegen gefällt und aus dem Wald transportiert worden. Dort, wo unter den stark befallenen Bäumen bereits andere Arten nachwachsen, werden die Forstwirte nicht aktiv. Ansonsten würde mehr zerstört als gewonnen. Auf den brach liegenden Flächen wird geschaut, ob Naturverjüngung gegeben ist oder nachgepflanzt werden muss. „Kyrill hat gezeigt, die Natur holt sich viel selbst zurück. Wir sollten in keinen Wettbewerb einsteigen um die schnellste Bepflanzung, sondern uns bewusst die Zeit nehmen, um die optimalsten Arten auf die Fläche zu bringen“, erklärt Förster Martin Lentrup.
Bei der großflächigen Begründung eines Mischwaldes setzen die Experten auf die Bepflanzung von unterschiedlichen Arten wie Bergahorn, Buche, Eiche, Lärche, Küstentanne, Douglasie oder Weißtanne im Schachbrettmuster. Es werden auch Versuche mit der Schwarzkiefer unternommen. Insbesondere die Bodenbeschaffenheit ist bei der Auswahl ausschlaggebend. „Wenn wir nachpflanzen, dann eher im Herbst als im Frühjahr, sonst vertrocknet alles“, so Zimmermanns.
Für die Räumung der Kalamitätsflächen sowie die Wiederaufforstung nimmt die Stadt Freudenberg jede zur Verfügung gestellte Förderung in Anspruch. Und dennoch werden in den kommenden Jahren zusätzliche Mittel aus dem städtischen Haushalt für klimastabile Wälder bereitgestellt werden müssen.
Die nächsten Wochen werden weiter für die Holzabfuhr genutzt. Sobald es trockener wird, können auch die stark verschlammten Wege abgezogen und wiederhergestellt werden. „Wir bitten um Nachsicht, dass das vorher keinen Sinn macht. Sicherheit geht vor, die geschädigten Bäume müssen zunächst gefällt und abgefahren werden“, sagt Bürgermeisterin Reschke.